Fazit Und Ausblick Dissertation Titles

Eine wissenschaftliche Arbeit ist ein systematisch gegliederter Text, in dem ein oder mehrere Wissenschaftler das Ergebnis seiner oder ihrer eigenständigen Forschung darstellt. Wissenschaftliche Arbeiten entstehen im Allgemeinen an Hochschulen oder anderen, auch privaten, Forschungseinrichtungen und werden von Studenten, Doktoranden, Professoren oder anderen Forschern verfasst. Dies ist jedoch kein zwingendes Merkmal. Vor wissenschaftlichen Konferenzen oder bei Sonderausgaben einer wissenschaftlichen Zeitschrift wird in einem call for papers zum Einreichen wissenschaftlicher Arbeiten aufgefordert.

Wissenschaftliches Arbeiten zielt auf die Schaffung neuen Wissens, und eine wissenschaftliche Arbeit im Sinne dieses Lemmas ist eines von mehreren Formaten, in denen Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens dargestellt werden können. Andere Formate wären z.B. Vorträge auf einer wissenschaftlichen Konferenz.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Methodik richtet sich grundsätzlich nach der jeweiligen Fächerkultur und den in ihr gebräuchlichen Methoden. In Wissenschaften, die zwischen theoretischen und empirischen Arbeitsweisen unterscheiden, unterscheidet man theoretische Arbeiten, die Thesen auf Basis vorhandener Literatur entwickeln oder überprüfen (auch: Literaturstudie), von empirischen Arbeiten, bei denen Forschung unmittelbar am Untersuchungsgegenstand betrieben wird, die dann im Rahmen der Arbeit dokumentiert wird. In hermeneutisch ausgerichteten Fächern kann, je nach Fach und Erkenntnisziel, zwischen untersuchungs- und gutachtenbezogener Stilistik sowie berichtender oder auslegender (analytischer) Zielrichtung unterschieden werden, wobei es auch entsprechende Kombinationen gibt. So können z. B. Quellenlage und Forschungsstand berichtet werden, bevor die Quellen analysiert werden, oder es kann z. B. zunächst eine Analyse vorgenommen werden, die sodann im Lichte des Forschungsstandes diskutiert wird.

Im Rahmen eines Hochschulstudiums müssen Studenten mehrmals wissenschaftliche Arbeiten erstellen, nämlich Hausarbeiten, Studien- und Seminararbeiten. Abgeschlossen wird das Studium regelmäßig durch eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, also beispielsweise eine Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit, die vom Betreuer, dem verantwortlichen Hochschullehrer und ggf. weiteren Fachleuten begutachtet werden.[1]

Für diese Examensarbeiten gilt in besonderem Maße, dass sorgfältige und gewissenhafte Beratung und Betreuung der Examenskandidaten durch den oder die betreuenden Hochschullehrer eine wichtige Grundlage für ihr Gelingen darstellt.[2] Weitere Grade für höhere wissenschaftliche Qualifikation erreicht man durch eine Dissertation und Habilitationsschrift. Erst ab der Dissertation wird erwartet, dass die Arbeit nicht nur den Forschungsstand wiedergibt, sondern einen größeren Erkenntnisfortschritt mit sich bringt. Kleinere Erkenntnisgewinne werden bereits bei einer Bachelorarbeit erwartet.[3]

Die Bestandteile der wissenschaftlichen Arbeit sind nicht normiert; häufig werden sie vom Betreuer vorgegeben, etwa in einem speziellen Leitfaden. Studienabschlussarbeiten und weiterqualifizierende wissenschaftliche Arbeiten bestehen in der Regel aus folgenden Bestandteilen: Titelblatt; Vorwort; Inhaltsverzeichnis; Abkürzungsverzeichnis; Abbildungs-, Tabellen- oder Übersichtenverzeichnis; Textteil (Problemstellung, Begriffsabgrenzung, historische Anmerkungen, Untersuchungsmethode - nur bei empirischen Arbeiten -, Gang der Untersuchung, Hauptteil(e), Zusammenfassung oder Fazit oder Ausblick); Anhang; Literaturverzeichnis; Ehrenwörtliche Erklärung.

Wissenschaftliche Arbeiten entstehen im Wissenschaftsbetrieb auch, indem Forschungsberichte (über Forschungsergebnisse) oder wissenschaftliche Artikel für Fachzeitschriften geschrieben werden. Auch für diese Werke gelten die Anforderungen der Wissenschaftlichkeit.

Wissenschaftliches Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliches Arbeiten beschreibt ein methodisch-systematisches Vorgehen, bei dem die Ergebnisse der Arbeit für jeden objektiv nachvollziehbar oder wiederholbar sind. Das bedeutet, Quellen werden offengelegt (zitiert) und Experimente so beschrieben, dass sie reproduziert werden können. Wer eine wissenschaftliche Arbeit liest, kann stets erkennen, auf Grundlage welcher Fakten und Beweise der Autor zu seinen Schlussfolgerungen gelangt ist, auf welche Forschungs­ergebnisse anderer Wissenschaftler er sich beruft (Zitation) und welche (neuen) Aspekte von ihm sind.

In den Geistes- und Naturwissenschaften beruht der Anspruch an wissenschaftliches Arbeiten auf dem Grundsatz, dass es zu einem Thema nie nur eine Informationsquelle gibt, sondern immer mehrere. Die folgenden Vorgehensweisen sind dabei vor allem für Geisteswissenschaften charakteristisch.[4]

In einem ersten Schritt legt der Wissenschaftler zu den wichtigsten Aspekten seines Themas eine schlüssige Grobgliederung an und sichtet auf ihrer Grundlage geeignete Quellen (Primär- und Sekundärliteratur).[5] Er geht in Archive bzw. in Bibliotheken und sucht sich wissenschaftliche Arbeiten zu seinem Thema oder zu Aspekten seines Themas. Er stellt eine Bibliographie zusammen und schreibt Exzerpte. Im Literaturverzeichnis der Arbeit braucht er später aber nur die Werke zu erwähnen, die auch zitiert wurden. Die Grobgliederung und Literaturrecherche ergänzen und entwickeln sich dabei gegenseitig, sodass die Literaturrecherche neue Gliederungspunkte hervorbringen kann, was wieder neue Literaturrecherchen auslösen kann usw.

Im zweiten Schritt überschaut er das Material und vergleicht Quellen und Literatur. Die Ziele können dabei vielfältig sein. Beispielsweise kann ein Autor versuchen, Unstimmigkeiten in der Literatur aufzudecken, mehrere Positionen zusammenzuführen, einzelne Positionen zu widerlegen oder sie zu präzisieren oder auszubauen. Wichtig ist auch, dass der Autor eine eigene Meinung entwickelt.[6] Diese „eigene Meinung“ darf jedoch nicht mit der Wiedergabe der eigenen Emotionen oder der subjektiven Wahrnehmung eines Themas verwechselt werden. Der Autor nimmt vielmehr einen fundierten wissenschaftlichen Standpunkt ein, den er durch intensive Beschäftigung mit seinem Forschungsgegenstand erreicht hat.[7] Ob die eigene Meinung einen innovativen Beitrag zur Forschung darstellen muss, hängt davon ab, in welchem Rahmen man die wissenschaftliche Arbeit verfasst. So wird dies bei wissenschaftlichen Arbeiten im Studium nicht notwendigerweise erwartet. Bei allem, was nach dem Studium kommt, ist es Pflicht.

Im dritten Schritt beginnt der Autor, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Dabei stellt er mehr oder minder kurz dar, was er an Veröffentlichungen bereits vorgefunden hat und was sie zum eigenen Projekt beitragen können.

Möglich sind Zusammenfassungen der verschiedenen Veröffentlichungen oder auch die Zusammenfassung einzelner Kapitel oder Abschnitte, die dann den Auszügen anderer Werke gegenübergestellt werden. Möglich ist es auch, fremde Autoren wörtlich zu zitieren.

In jedem Fall muss die Herkunft eines Gedankens, Begriffs, Idee oder empirischen Zahl benannt werden. Beim Nachweis unterscheidet man Zitate (wörtliche Übernahmen) und Entlehnungen (nicht wörtliche, sinngemäße Übernahmen). In beiden Fällen werden die Quellen in wissenschaftlichen Anmerkungen (oft in Form einer Fußnote) angegeben. Bei Zitaten werden Autor, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr und die Seite(n) angegeben, die man verwendet hat; bei Entlehnungen wird der Quelle zumeist ein „siehe“ oder „vgl.“ vorangestellt. Entsprechendes gilt auch für Quellen aus dem Internet. Jede Internetseite ist eine Quelle oder Literatur, die im eigenen wissenschaftlichen Werk angegeben werden muss (URL und Kalenderdatum des Abrufs).

Die genaue Herkunftsangabe ist für die Belegbarkeit einer Behauptung wichtig. Eine Aussage muss bis hin zur Quelle zurückverfolgbar und damit überprüfbar sein. Dies dient auch dem Schutz des Wissenschaftlers selbst. Hat er ungeprüft eine Falschinformation übernommen und die Herkunft nicht angegeben, wird er selbst für den Fehler verantwortlich gemacht. Ausnahmen von dieser Regel sind Allgemeinwissen, („Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“), Sprichwörter („Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“) oder fachspezifisches Grundwissen, das einer peer group des entsprechenden Fachbereichs bekannt sein muss (etwa der Begriff der Metapher in einem literaturwissenschaftlichen Studiengang).[8]

Zitierfähig sind in der Regel alle wissenschaftlichen Publikationen, hier insbesondere Monografien und Zeitschriftenaufsätze. In Einzelfällen kommt auch Graue Literatur in Frage. Nichtwissenschaftliche Informationsquellen (z. B. Populärliteratur, Boulevardzeitschriften, private Websites) und Nachschlagewerke (Brockhaus Enzyklopädie) gehören in der Regel nicht zur zitierfähigen Literatur. Ob Wikipedia zitierfähig ist, ist umstritten.[9] Neben der Zitierfähigkeit spielt auch die Zitierwürdigkeit eine wesentliche Rolle bei der Auswahl der Quellen.

In einem vierten Schritt entwickelt der Wissenschaftler seine eigene Idee; diese Fragestellung legt das Erkenntnisinteresse des Autors offen und hat unmittelbar Einfluss auf den Aufbau seiner Argumentation. Hierfür trägt er Fakten oder Beispiele zusammen und stellt dar, was er aus den vorgelegten Fakten oder Beispielen schließt. Dabei bemüht er sich, für jede Behauptung einen Beweis bzw. Beleg vorzulegen und jedes Argument zu begründen. Der Argumentationsgang in einer wissenschaftlichen Arbeit folgt den Regeln der Logik. Unverzichtbar ist zuletzt eine Ergebnissicherung in Form eines Fazits (oft „Ergebnis“, „Schluss“ oder „Schlussfolgerungen“ genannt) oder einer „Zusammenfassung“. Bei einer Zusammenfassung ist zu beachten, dass hier keine neuen Gedanken oder Probleme eingeführt werden dürfen. Im Falle einer Veröffentlichung wird häufig ein Abstract vorangestellt, d. h. eine kurze zusammenfassende Wiedergabe von Konzept, Methode(n) und Ergebnis(sen) der Arbeit. Die dargestellte Reihenfolge ist allerdings schematisch. In der Realität überschneiden sich das Entwickeln eigener Thesen und die Lektüre von Quellen oft.

In vielen wissenschaftlichen Bereichen gibt es Fachausdrücke. Es ist zwar nicht notwendig, dass wissenschaftliche Arbeiten in besonderer Weise auf Fremdwörter zurückgreifen, aber oft sind die entsprechenden Fachausdrücke innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft gängig und deshalb leichter verständlich. Ein Autor kann im Bedarfsfall auch eigene Begriffe einführen. Das tut er, indem er sie definiert und anschließend immer im selben Sinn verwendet.

Die einzelnen Schritte werden hier idealtypisch als klar getrennt und aufeinander aufbauend beschrieben. In der Praxis gehen die einzelnen Schritte häufig durcheinander und treten manchmal auch gleichzeitig auf. So werden eigene Standpunkte häufig bereits während der Literatursuche entwickelt. Zum Teil geschieht dies auch schon vor der Literaturrecherche, was den Wunsch auslöst, eine wissenschaftliche Arbeit zu einem Thema überhaupt zu schreiben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Franck: Handbuch Wissenschaftliches Arbeiten. 3. Aufl. Paderborn: Schöningh 2017 (= UTB).
  • Kristina Folz, Detlef Jürgen Brauner, Hans-Ulrich Vollmer: Studi-SOS Bachelorarbeit. Erste Hilfe fürs wissenschaftliche Arbeiten. Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2015, ISBN 978-3-89673-690-1.
  • Volker Ahrens: Abschlussarbeiten richtig gliedern. UTB, Zürich 2014, ISBN 978-3-8252-4096-7.
  • Berit Sandberg: Wissenschaftlich Arbeiten von Abbildung bis Zitat. Ein Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71635-1
  • Heidemarie Brezina, Annemarie Grillenberger: Schritt für Schritt zur wissenschaftlichen Arbeit. Es beginnt mit einer Frage ... 2. Auflage. facultas.wuv, Wien 2008, ISBN 978-3-7089-0334-7.
  • Matthias Karmasin, Rainer Ribing: Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten sowie Dissertationen. 7. Auflage. facultas.wuv/UTB, Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3839-1.
  • Martin Kornmeier: Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht: für Bachelor, Master und Dissertation, 7. Aufl. UTB (Haupt-Verlag), Bern 2016, ISBN 978-3-8252-4601-3.
  • Martha Boeglin: Wissenschaftlich arbeiten Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren. 2., unveränd. Auflage. Fink Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8252-2927-6. (Uni-Taschenbücher. 2927)
  • Helga Esselborn-Krumbiegel: Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. 3. Auflage. Schöningh Verlag, Paderborn 2008, ISBN 978-3-8252-2334-2.
  • Helga Esselborn-Krumbiegel: Richtig wissenschaftlich schreiben. Wissenschaftssprache in Regeln und Übungen. Schöningh Verlag, Paderborn 2010, ISBN 978-3-8252-3429-4.
  • Bernd Heesen: Wissenschaftliches Arbeiten: Vorlagen und Techniken für das Bachelor-, Master- und Promotionsstudium. 3. Auflage. Springer-Gabler Verlag, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-662-43346-1.
  • Dietmar Hübner: Zehn Gebote für das philosophische Schreiben. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012 in UTB, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8252-3642-7.
  • Klaus Niedermair: Recherchieren und Dokumentieren: Der richtige Umgang mit Literatur im Studium. UVK, Konstanz 2010, ISBN 978-3-8252-3356-3.
  • Hans-Otto Schenk: Die Examensarbeit. Ein Leitfaden für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. UTB 2657, Göttingen 2005, ISBN 3-8252-2657-3.
  • Simone Broders: Wissenschaftliches Arbeiten in Anglistik und Amerikanistik. München 2015, ISBN 978-3-8252-4427-9.
  • Claus Bliefert, Walter Greulich, Hans Friedrich Ebel: Schreiben und Publizieren in den Naturwissenschaften. 5. Auflage. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2006, ISBN 3-527-30802-4.
  • Claus Bliefert, Hans Friedrich Ebel: Bachelor-, Master- und Doktorarbeit. Anleitungen für den naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs. 4. Auflage. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2009, ISBN 978-3-527-32477-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑H. J. Rahn: Betreuung, Bewertung und Begutachtung von Seminar-, Bachelor-,Master- und Diplomarbeiten. In: WiSt - Wirtschaftswissenschaftliches Studium. 35. Jg., 2006, S. 289–295.
  2. ↑Hans-Otto Schenk: Die Examensarbeit. Ein Leitfaden für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. UTB 2657, Göttingen 2005, ISBN 3-8252-2657-3, S. 173.
  3. ↑K. Folz/ D. J. Brauner/ H.-U. Vollmer: Studi-SOS Bachelorarbeit. Erste Hilfe fürs wissenschaftliche Arbeiten. Sternenfels 2015, S. 28.
  4. ↑M. R. Theisen: Wissenschaftliches Arbeiten. 15. Aufl. München 2011, ISBN 978-3-8006-3830-7.
  5. ↑H. Corsten, J. Deppe: Technik des wissenschaftlichen Arbeitens. 3. Auflage. München 2008, S. 2 ff.
  6. ↑A. Brink: Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten. 3. Auflage. München/Wien 2007, S. 40 ff.
  7. ↑Simone Broders: Wissenschaftliches Arbeiten in Anglistik und Amerikanistik. München 2015, S. 73.
  8. ↑Simone Broders: Wissenschaftliches Arbeiten in Anglistik und Amerikanistik. München 2015, S. 162.
  9. ↑Vgl. z. B. Kongress 2006: Kollaboratives Wissensmanagement und die Zitierfähigkeit von Wiki-Wissen. pdf, abgerufen am 10. März 2011.

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4066571-9(AKS)

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis:

Symbolverzeichnis:

1. Einleitung
1.1. Gang der Untersuchung

2. Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1. Wertbegriffe und Werttheorien
2.2. Objektive und subjektive Werttheorie
2.3. Funktionale Werttheorie
2.4. Anlässe der Unternehmensbewertung
2.5. Vorstellung IDW
2.6. Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensbewertung (GoU)

3. Unternehmensbewertungsmethoden
3.1. Unternehmensbewertung kleiner und mittlerer Unternehmen
3.2. Branchenspezifische Besonderheiten
3.3. Überblick der Bewertungsmethoden
3.4. Substanzwertverfahren
3.4.1. Kritische Würdigung
3.5. Ertragswertverfahren
3.5.1. Bestimmung des Kalkulationszinsfuß
3.5.2. Phasenmodelle
3.5.3. Wahl des geeigneten Erfolgsmaßstabs
3.5.4. Kritische Würdigung
3.6. Discounted-Cashflow-Verfahren
3.6.1. Cashflowbeziehungen
3.6.2. Bruttoverfahren und Nettoverfahren
3.6.3. Entity-Ansatz
3.6.3.1. WACC-Ansatz
3.6.3.1.1. Free Cashflow-Ansatz
3.6.3.1.1. CAPM Eigenkapitalkosten
3.6.3.1.2. Total Cashflow-Ansatz
3.6.3.2. APV-Ansatz
3.6.4. Equity-Ansatz
3.6.5 Kritische Würdigung
3.7. Gegenüberstellung von Ertragswert- und DCF-Verfahren
3.8. Multiplikatorverfahren
3.8.1. Funktionen
3.8.2. Ablauf Multiplikatorverfahren
3.8.2.1. Unternehmensanalyse
3.8.2.2. Auswahl und Bildung der Multiplikatoren
3.8.2.3. Auswahl geeigneter Vergleichsunternehmen
3.8.2.4. Multiplikatorenberechnung der Vergleichsunternehmen
3.8.2.5. Ergebnisermittlung
3.8.3. Kritische Würdigung

4. Praxisbeispiele
4.1. Beispielrechnung Ertragswertverfahren
4.2. Beispielrechnung DCF-Verfahren

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis:

Internet:

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anlässe der Unternehmensbewertung

Abb. 2: Die Bewertungsverfahren im Überblick

Abb. 3: Ermittlung des Unternehmenswertes nach dem Ertragswertverfahren

Abb. 4: Ermittlung der Einzahlungsüberschüsse im Ertragswertverfahren

Abb. 5: Varianten der Discounted-Cashflow-Methode

Abb. 6: Beziehungen zwischen den “Cash Flow”- Begriffen

Abb. 7: Ablauf der Multiplikatorbewertung

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Definition der Kleinstunternehmen, sowie der kleinen und mittleren Unternehmen

Tab. 2: Unterschiede des Discounted-Cashflow-Verfahrens zum Ertragswertverfahren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Unternehmensbewertung zählt zu den großen Herausforderungen in der Betriebswirtschaft. Aufgrund ihrer umfangreichen Aufgabenstellung stellt sie den Bewerter vor eine komplizierte Aufgabe.

Die Anforderungen der Unternehmenswertermittlung sind vielseitig. Überwiegend hat die Wertermittlung ihren Ausgangspunkt in der Änderung der Eigenkapitalstruktur. Zunehmend findet jedoch die Unternehmensbewertung im Controllingbereich an Beachtung.

Die Anforderungen an die Unternehmensbewertung haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert.[1] Mit der Einführung der funktionalen Unternehmensbewertung wurde deutlich, dass die jeweilige Bewertungsmethode vom jeweiligen Bewertungszweck abhängt.

Die Unternehmensbewertung ist durch eine große Methodenvielfalt gekennzeichnet.

In Theorie und Praxis und auch in der Rechtssprechung, haben sich besonders die Ertragswertmethode und das Discounted-Cashflow-Verfahren herausgebildet.

Beide Ansätze beruhen durch Diskontierung der jeweiligen Erfolgswerte auf der gleichen konzeptionellen Grundlage.

Angesichts der erheblichen Anzahl an Unternehmenszusammenschlüssen in den letzten Jahren kommt es immer wieder zu falschen Einschätzungen.[2] Insbesondere die Prognose der künftigen wirtschaftlichen und finanziellen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens treibt die Entwicklung und die Diskussion der Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis stetig voran.

In dieser Arbeit werden die komplexen und anspruchsvollen Zusammenhänge der Unternehmenswertermittlung dargestellt. Insbesondere werden die gängigen, national sowie international bedeutendsten, Unternehmensbewertungsmethoden vorgestellt.

1.1. Gang der Untersuchung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser einen komprimierten Einblick in die Funktion, Methodik und Problemstellung der Unternehmensbewertung zu verschaffen.

Die Seminararbeit lässt sich in drei Teile untergliedern.

Beginnend mit den einleitenden Worten, werden im ersten Teil die Grundlagen der Unternehmensbewertung erläutert. Hier werden Hintergründe, Zwecke und Funktionen der Unternehmensbewertung, sowie Grundsätze, die das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) vorgibt, aufgezeigt.

Im Hauptteil stehen die Methoden der Unternehmensbewertung und deren Probleme im Mittelpunkt. Beginnend mit der Unternehmensbewertung von kleinen und mittelgroßen Unternehmen und sowie branchenspezifischen Besonderheiten, wird darauf folgend ein Überblick der Methoden gegeben. Anschließend werden diese erklärt, gegenübergestellt und kritisch gewürdigt, sowie durch Praxisbeispiele der bekanntesten zwei Methoden veranschaulicht.

Der abschließende und letzte Teil besteht aus einem Fazit und einem Ausblick.

2. Grundlagen der Unternehmensbewertung

2.1. Wertbegriffe und Werttheorien

Die Unternehmensbewertung dient dazu, einen Wert für das ganze Unternehmen oder von Unternehmensanteilen zu ermitteln um so z.B. einen Verkaufs- bzw. Kaufpreis festzustellen.[3] Dabei sind die Begriffe Wert und Preis voneinander abzugrenzen.

Der Wert eines Objektes, d.h. einer Sache, eines Rechtes oder einer Dienstleistung ergibt sich aus den Eigenschaften und insbesondere aus dem Nutzen, den jemand der Sache (bzw. dem Recht oder der Dienstleistung) beimisst.[4]

Dabei ist zu beachten, dass jeder eine unterschiedliche Wertvorstellung besitzt, das bedeutet, dass ein Wert immer subjektiv bestimmt wird. Folglich drückt der Wert eines Unternehmens den Nutzen aus, den das Unternehmen für den Interessenten bzw. Inhaber darstellt. Somit kann es grundsätzlich keinen objektiven Wert geben.[5]

Der Preis ist eine Geldsumme, die auf dem Markt für eine Mengeneinheit eines Objektes, d.h. einer Sache, eines Rechtes oder einer Dienstleistung bezahlt wird.[6] Somit ist der Preis eines Unternehmens der Geldbetrag, der bei einem Eigentümerwechsel eines Unternehmens tatsächlich bezahlt wird.[7] Da der Preis das Ergebnis von Verhandlungen ist, muss er nicht mit dem subjektiven Wert des Käufers bzw. Verkäufers übereinstimmen.

Der Grenzpreis ist der Unternehmenswert, der im Rahmen der Verhandlungen aus Verkäufersicht mindestens verlangt und aus Käufersicht höchstens angesetzt werden kann.[8] Wenn sich beide Parteien einigen, müsste der Preis innerhalb des Grenzpreises des Käufers (Preisobergrenze) und des Grenzpreises des Verkäufers (Preisuntergrenze) liegen. In der Literatur wird dieser Preis auch als Entscheidungswert angegeben. Der Schiedswert ist der von einem unparteiischen dritten ermittelte Einigungspreis, der auch Arbitriumwert genannt wird. Er ist ein Kompromiss zwischen den subjektiven Wertvorstellungen des Käufers bzw. Verkäufers und soll einen fairen und angemessenen Interessesausgleich zwischen den beiden Parteien darstellen.[9]

2.2. Objektive und subjektive Werttheorie

Die Begriffe objektiver und subjektiver Unternehmenswert wurden in der Vergangenheit in der deutschen Literatur viel diskutiert.[10]

Bis Anfang der 60er Jahre dominierte die objektive Werttheorie, die bei der Unternehmensbewertung vom „Wert des Unternehmens an sich“ als Wertmaßstab ausgeht und den Wert eines Unternehmens festlegt „wie es steht und liegt“.[11] D.h. das Unternehmen befindet sich in einem bestehenden Konzept, mit Fortführung des vorhandenen Management, finanziellen Rahmen, etc. Jedoch werden die Vorstellungen und Versionen eines potentiellen Käufers nicht berücksichtigt. Danach ist bei der objektiven Werttheorie der Unternehmenswert losgelöst von Personen und von jedermann realisierbar.[12]

Hierin liegt auch die Kritik dieser Werttheorie, die nicht die besondere Situation von Käufer und Verkäufer mit den jeweiligen Interessenslagen widerspiegelt. Diese Nichtberücksichtigung lässt keine Verhandlungsbasis zu Stande kommen.[13] Der objektivierte Wert als Verhandlungsgrundlage, der in einem zweiten Schritt zu subjektiven Werten führen kann, entspricht der Vorstellung des IDW´s.[14]

Anfang der 60er Jahre entwickelte sich die subjektive Betrachtungsweise. Die subjektive Werttheorie will den Wert eines Unternehmens unter Berücksichtigung der subjektiven Ziele, Möglichkeiten und Vorstellungen des Käufers ermitteln.

Die Aussage „Value, like a beauty, is in the mind of the beholder“[15] verdeutlicht, dass der Unternehmenswert abhängig von den Präferenzen des Investors ist und der Vorstellung eines zukünftigen Ertragswertes entspricht. Jedoch stellte sich genau diese Einbeziehung subjektiver Vorstellungen als Nachteil heraus, da die Bewertung des einzelnen schlecht nachvollziehbar ist. Dies wird als Kritikpunkt der subjektiven Werttheorie angesehen.[16]

2.3. Funktionale Werttheorie

Heute wird allgemein anerkannt, dass der Unternehmenswert die individuelle Situation der bewertenden Partei und den Zweck der Bewertung berücksichtigen muss.[17] Folglich können unterschiedliche Bewertungsanlässe zu unterschiedlichen Werten für ein Unternehmen führen.[18]

Die funktionale Unternehmensbewertung geht auf die „Kölner Schule“ zurück, die mit den Arbeiten von Münstermann, Jaensch, Engels, Busse von Colbe, Sieben und Matschke versucht, den Gegensatz der objektiven und subjektiven Werttheorie zu überwinden.[19]

Im Rahmen der Funktionstheorie wird die objektive- und subjektive Werttheorie integriert und diese dem jeweiligen Zweck der Unternehmensbewertung zugeordnet. Der jeweilige Zweck lässt sich in Haupt- und Nebenfunktion unterteilen. Als Hautfunktion unterscheidet man Beratungs-, Vermittlungs- und Argumentationsfunktion, als Nebenfunktion die untergeordneten Aufgaben wie Steuerbemessung, Vertragsgestaltung oder Bilanzierung.[20]

In der Beratungsfunktion ermittelt der Bewerter Grenzpreise für Käufer oder Verkäufer, die sie höchstens anbieten dürfen (Preisobergrenze) bzw. mindestens verlangen müssen (Preisuntergrenze), um durch die Transaktion keinen Nachteil zu erleiden.[21] Dabei hängt der Grenzpreis nicht nur von objektiven Faktoren ab, sondern die subjektiven Vorstellungen und Zukunftspläne der beiden Parteien werden bei der Bewertung berücksichtigt. Aus diesem Grund sind üblicherweise die Preisobergrenze des Käufers und die Preisuntergrenze des Verkäufers nicht identisch, da sie von unterschiedlichen Präferenzen und Zielvorstellungen ausgehen.[22]

Die Funktion des Schiedsgutachters oder Vermittlers sind die, zwischen den subjektiven Wertvorstellungen des Käufers und Verkäufers eines Unternehmens den fairen Einigungspreis vorzuschlagen bzw. zu bestimmen.[23]

Der Vermittler versucht die Interessen der beiden Parteien zu berücksichtigen, um so einen Einigungspreis zu ermitteln, den sowohl Käufer als auch Verkäufer akzeptieren können.

Die Aufgabe der Unternehmensbewertung in der Argumentationsfunktion besteht darin, einen Wert zu ermitteln, der die Verhandlungsposition einer bestimmten Partei stärkt.[24] Der ermittelte Wert dient der Beeinflussung des Verhandlungspartners, um einen Unternehmenspreis zu realisieren, der möglichst nahe am Entscheidungswert des Auftragsgebers liegt.[25]

Dabei dürfen die Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung nicht verletzt werden. Das IDW HFA 2/1983, WPG 1983 S. 468-480, und S 1, WPG 2000 S. 825 ff. und die Union Europèenne des Experts Comptables Economiques et Financiers (UEC) haben die Argumentationsfunktion für die Wirtschaftsprüfer nicht anerkannt. Diese Funktion wäre mit den Berufsgrundsätzen der Wirtschaftsprüfer nicht zu vereinbaren, die eine objektive Wertermittlung fordern.[26]

In der Steuerbemessungsfunktion werden Steuerbemessungsgrundlagen ermittelt. Beispiele hierfür sind die Bewertung von Beteiligungen für die Einkommenssteuer, Körperschaftsteuer, Vermögenssteuer und Gesellschaftsteuer.[27]

Die Vertragsgestaltungsfunktion dient der Formulierung eines Vertragstextes. Der ermittelte Unternehmenswert gibt an, in welcher Form sich die Vertragsparteien bei gewissen Anlässen, z.B. Abfindung beim Ausscheiden eines Gesellschafters, zu einigen haben.[28]

Die Informationsfunktion, die auch als Bilanzierung bezeichnet wird, dient der Information über die Ertragskraft des Unternehmens.

Ziel ist die Ermittlung des Unternehmenswertes durch die Bilanz, wobei als Grundlage die handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften zu beachten sind.[29]

Die funktionale Werttheorie steht jedoch nicht außer Kritik. Probleme ergeben sich, wenn der Bewertungszweck nicht in das vorliegende Schema passt. Als Beispiel kann die „Shareholder Value Zielsetzung“ oder das „Value-Based Management“ genannt werden, die keine Veränderung der Eigentümerverhältnisse anstreben.[30]

Weitere Kritikpunkte sind, dass die Abgrenzung in Haupt- und Nebenfunktion abhängig von der Perspektive des Betrachters ist und die funktionale Unternehmensbewertung in der ausländischen Literatur keine Rolle spielt.[31] Bei einer Unternehmensbewertung ist es nicht von Bedeutung, welche Aufgabe bzw. Funktion ein Gutachter hat, sondern entscheidend ist welche Aufgabe eine Unternehmensbewertung hat, da die Bewertung eines Unternehmens vom Anlass der Bewertung bestimmt wird.

Besonders kritisch ist die Argumentationsfunktion zu sehen, da sie im eigentlichen Sinne keine Wertermittlung ist, sondern lediglich eine Ansammlung einseitiger Argumente darstellt. Folglich kann Sie als zusätzliche Leistung des Bewerters im Rahmen der Ermittlung des Entscheidungswertes gesehen werden.[32]

2.4. Anlässe der Unternehmensbewertung

Es gibt nicht den einen, richtigen Unternehmenswert. Er ist stets in Abhängigkeit von dem Anlass zu sehen, dem die Durchführung der Unternehmensbewertung dient.[33]

In der Praxis gibt es eine Vielzahl von Anlässen, um eine Unternehmensbewertung durchzuführen. Eine der häufigsten Gründe ist eine Neubesetzung in der Eigentümerstruktur.[34] Aber auch in anderen Fällen kann eine Bewertung notwendig werden, wie z.B. bei Aufnahme oder Ausscheiden von Gesellschaftern, Erbauseinandersetzungen, Enteignungen, Privatisierungen, Vergleichen, Konkursen, etc.[35] Desweiteren kommt der Unternehmensbewertung vermehrt auch der Zweck eines internen Steuerungsinstrumentes zu, in dem realisierte Wertveränderungen dem Controlling zur Verfügung gestellt werden, um so beispielsweise Managementleistungen besser bemessen zu können.[36] Bewertungen werden von den unterschiedlichsten Parteien vorgenommen. Dies sind Kauf- und Verkaufsinteressenten, aber auch beauftragte Gutachter, Vermittler oder Analysten.

Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen entscheidungsabhängigen und entscheidungsunabhängigen Bewertungsanlässen.[37]

Bei entscheidungsabhängigen Anlässen ist eine Änderung der Eigentumsverhältnisse beabsichtigt. Als nicht beherrschte oder nicht dominierte Konfliktsituation wird in der Literatur die Situation beschrieben, in der sich keine der Parteien bei einer Änderung der Eigentumsverhältnisse gegen den erklärten Willen der anderen Partei durchsetzen kann.[38] Folglich hat jede Partei die Option die Verhandlungen abzubrechen. Diese Konstellation fällt in den klassischen Anlass für eine Unternehmensbewertung, dem Kauf oder Verkauf eines Unternehmens bzw. von Unternehmensanteilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Quelle: Entnommen aus Schultze (2001), Anlässe der Unternehmensbewertungen, S. 6.

2.5. Vorstellung IDW

Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) vereint Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfergesellschaften Deutschlands auf freiwilliger Basis. Der eingetragene Verein, dessen Zweck gemäß Satzung auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, hat seinen Sitz in Düsseldorf.

Das Institut hat sich zur Hauptaufgabe gemacht, die Grundsätze der ordnungsgemäßen Unternehmensbewertung zu definieren. Insbesondere bestimmt der IDW die anzuwendenden Unternehmensbewertungsmethoden. Des Weiteren vertritt es die Interessen der Wirtschaftsprüfer sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene und ist für den Bereich Aus- und Fortbildung seiner Mitglieder zuständig. Die aktuellste Fassung ist vom 18. Oktober 2005.

2.6. Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensbewertung (GoU)

Die Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensbewertung gelten als allgemein anerkannte und zweckorientierte Regeln, die sich primär an Gutachter und Investoren richten.[39] Sie bestimmen die „erforderliche Sorgfalt“ gem. § 276 Abs. 1 Satz 2 BGB, bei der Bewertung von Unternehmen. Ziel der GoU ist es folgende Funktionen zu erfüllen: Komplexitätsreduzierung, Kommunikation, sowie die Erhaltung des Schutzes von Investoren und Gutachtern vor eventuellen Schäden und Regressansprüchen, die im Zusammenhang mit unsachgemäßer Unternehmensbewertung zu sehen sind.

Es dominieren unterschiedliche Ansätze bezüglich Umfang und Art ordnungsgemäßer Unternehmensbewertung in der Literatur. So differenziert Moxter die sachgemäßen Bewertungsgrundsätze in 24 Prinzipien[40], wohingegen der IDW S1 andere Maßstäbe setzt.

Von enormer Bedeutung für die berufliche Praxis eines Wirtschaftsprüfers, und für die Unternehmensbewertung allgemein, sind daher die vom IDW Standard am 28.6.2000 veröffentlichten Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertung.

Diese beinhalten:

- Maßgeblichkeit des Bewertungszwecks
- Bewertung der wirtschaftlichen Unternehmenseinheit
- Stichtagsprinzip
- Bewertung des betriebsnotwendigen Vermögens
- Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens
- Unbeachtlichkeit des bilanziellen Vorsichtsprinzips
- Nachvollziehbarkeit der Bewertungsansätze

Die Maßgeblichkeit des Bewertungszwecks ist bei der Unternehmensbewertung von enormer Bedeutung. Der Bewertungszweck ergibt sich aus dem Bewertungsauftrag und den Zielen und Vorgaben des Auftraggebers.

Bei Auftragserteilung ist primär festzulegen, in welcher Funktion der Gutachter tätig ist. Die Funktion beeinflusst die Annahme der zukünftigen finanziellen Überschüsse des Unternehmens.[41]

Bei der Bewertung sind alle Bereiche des Unternehmens als wirtschaftliche Unternehmensgesamtheit zu bewerten. Alle Bereiche und Funktionen eines Unternehmens, die den zukünftigen finanziellen Überschüssen dienen, sind gemeinsam zu berücksichtigen. Hierunter fallen verschiedene materielle und immaterielle Werte aller Unternehmensbereiche, sowie betriebsnotwendiges und nicht betriebsnotwendiges Vermögen.[42]

Die stichtagsbezogene Unternehmensbewertung nimmt eine Abgrenzung bezüglich der bisherigen und zukünftigen Eigentümer vor und ordnet finanzielle Überschüsse dem Jeweiligen zu (Stichtagsprinzip). So wird exakt bestimmt, welche Überschüsse mit einzubeziehen sind. Zugleich ist bei Auseinanderfallen der Bewertung und des Bewertungsstichtags grundsätzlich nur der Informationsstand zum Bewertungsstichtag maßgeblich. In dieser Form wird das Stichtagsprinzip als Bezugszeitpunkt des zu berücksichtigenden Informationsstandes verstanden.[43]

Ein weiterer Grundsatz gilt der Bewertung des betriebsnotwendigen Vermögens. Bei der Unternehmenswertermittlung steht das Unternehmen mit seinen Chancen und Risiken, einschließlich seiner Ertragskraft, im Vordergrund. Zusätzlich sind Zahlungsströme des Eigentümers, die von ihm ausgeschüttet bzw. entnommen werden, im Hinblick auf persönliche Steuern zu beachten, da nur der finanzielle Überschuss aus Nettoeinnahmen des Eigentümers wertbestimmend ist.[44]

Ebenso äußert sich der IDW S1 zur Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens. Die Abgrenzung vom betriebsnotwendigen zum nicht notwendigen Betriebsvermögen ist abhängig von der Sichtweise des Bewerters.

Veräußerbare Vermögensteile, die die eigentliche Unternehmensaufgabe nicht beeinträchtigen, gelten als nicht betriebsnotwendig. Diese werden mit den jeweiligen Liquidationswerten bemessen. Sie sind abzüglich Liquidationskosten und zurechenbarer Schulden unter bestmöglicher Verwertung zu ermitteln.[45]

Eine weitere Vorschrift beschreibt die Unbeachtlichkeit des bilanziellen Vorsichtsprinzips. Durch das bilanzielle Vorsichtsprinzip § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB kann es bei der Durchführung der Bewertung zu eventuellen Nachteilen auf der Käufer- bzw. Verkäuferseite kommen. Aus diesem Grund wird eine Korrektur der Bilanzwerte vorgenommen, die im Sinne des Vorsichtsprinzips bewertet wurden. Die Werte werden vom Gläubigerschutzprinzip bereinigt.[46] Dies bedeutet jedoch nicht, dass von einer Risikoneutralität von Investorenseite auszugehen ist.[47]

Hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit von Bewertungsansätzen ist Folgendes zu beachten. Unter Berücksichtigung der Klarheit der Berichterstattung sind im Gutachten die wesentlichen Annahmen des Gutachters, des Managements des zu bewertenden Unternehmens und Annahmen sachverständiger Dritter so zu kennzeichnen, dass eine eindeutige Zuordnung möglich ist.[48]

Neben der Auffassung von IDW gelten gleichermaßen weitere anerkannte Prinzipien. Darunter fallen das Subjektivitätsprinzip, das Zweckadäquanz-, Äquivalenz-, Zukunftspinzip und das Prinzip der Bewertungseinheit.

- Das Zweckadäquanzprinzip besagt, dass der Unternehmenswert in Abhängigkeit vom Bewertungszweck zu sehen ist und sich aus der Aufgabenorientierung unterschiedliche Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Bewertungsverfahren ergeben.[49]
- Das Zukunftsprinzip drückt aus, dass ein Käufer eines Unternehmens nur bereit ist Vorteile zu vergüten, die er künftig zu erwarten vermag. Vergangenheitserträge sind in diesem Kontext irrelevant, da für den potentiellen Käufer Vergangenheitswerte eine untergeordnete Rolle spielen.[50] Für das „Gewesene“ interessiert sich der „Kaufmann“ nicht.[51]
- Laut dem Äquivalenzprinzip müssen die den Ermittlungen des
Unternehmenswertes zu Grunde liegenden Handlungsalternativen miteinander kompatibel sein.[52]
- Nach dem Subjektivitätsprinzip ist der Unternehmenswert stets auf ein bestimmtes Subjekt zu beziehen. D.h., jeder Wert ist von individuellen Präferenzen und Erwartungen beeinflusst. Es wird eine eindeutige Subjekt-Objekt-Beziehung beschrieben.[53]
- Dem Gesamtbewertungsprinzip folgend, weist die Unternehmung „ein nach einem einheitlichen Organisationsplan wirtschaftlich, soziales Gebilde einer Ganzheitsstruktur auf. Dieses Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile.“[54] Alle unternehmerischen Erfolgsfaktoren sind somit für die Gesamtbewertung relevant und müssen beachtet werden.

3. Unternehmensbewertungsmethoden

3.1. Unternehmensbewertung kleiner und mittlerer Unternehmen

Für die Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist eine Reihe von Besonderheiten zu beachten. Eine allgemeingültige und klare Definition zur Abgrenzung zwischen KMU und Großunternehmen gibt es nicht.[55] Als Kriterien der Abgrenzung können quantitative und qualitative Merkmale dienen.

Qualitative Abgrenzungskriterien knüpfen an Wesensverschiedenheiten zu Unternehmen anderer Größenklassen an. Als ein wesentliches Merkmal zählt, ob ein Unternehmen börsennotiert ist oder nicht.[56] Qualitative Abgrenzungen ergeben sich ebenfalls durch rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit, sowie einer unabhängigen Unternehmensleitung.[57]

Kleine und mittlere Unternehmen unterscheiden sich von Großunternehmen i.d.R. durch quantitative Merkmale, wie etwa dem Umsatz und der Anzahl der Mitarbeiter.[58] Letztere Kriterien finden sich etwa auch in § 267 HGB oder § 1 Abs. 1 und 2 PublG wieder. Es gibt eine Vielzahl von Institutionen, die quantitative Abgrenzungsmerkmale erfasst haben. Die Empfehlung der EU-Kommission vom 6. Mai 2003, betreffend der Definition der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen, drückt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: In Anlehnung an: Amtsblatt der Europäischen Union; Empfehlung der Kommission vom 6. Mai 2003; Anhang, Artikel 2, von der Kommission angenommene Definition der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen.

Vgl. http://eur- lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2003/l_124/l_12420030520de00360041.pdf

Für die Bewertung von KMU sind wichtige Grundsätze zu beachten. Besonderheiten ergeben sich insbesondere aus der Tatsache, dass KMU oftmals nicht über ein von den Unternehmenseignern unabhängiges Management verfügen.[59] Dies stellt eine ausgeprägte Abhängigkeit des Unternehmenserfolgs von der Person des Eigentümers bzw. seinen Gesellschaftern dar.[60] Folglich muss ein unvorhergesehener Ausfall des Eigentümers, sowie der Unternehmerlohn an sich berücksichtigt werden. Zugleich ist die Abhängigkeit von wenigen Abnehmern bzw. Lieferanten aufgrund des regional begrenzten Marktes zu beachten.[61] Somit kann es bei einem Wegfall eines Großkunden bzw. Großlieferanten zur Gefährdung des Unternehmensfortbestandes kommen.

Hinzu kommt, dass in kleineren Unternehmen nur eine kleine Produktpalette vorhanden ist, und sich somit der Unternehmenserfolg auf einen begrenzten Markt reduziert.

Im Hinblick auf die kapitalmarktorientierte Ermittlung der Marktrisikoprämie ergibt sich die Frage, ob und inwieweit ein marktmäßig bestimmtes Risikomaß für die Bewertung von KMU relevant sein kann. Einwände ergeben sich im Bezug auf den beschränkten Eigentümerkreis und die damit einhergehende nicht vorhandene Risikodiversifikation.[62]

Der IDW weist auf die Besonderheit hin, dass bei der Ermittlung des Unternehmenswerts für kleine und mittlere Unternehmen, ein besonderes Augenmerk auf die Abgrenzung des Bewertungsobjekts und auf die Zuverlässigkeit der vorhandenen Informationsquellen zu richten ist.[63] Insbesondere letzterer Punkt erweist sich jedoch als ein allgemeines Problem der Unternehmensbewertung.

3.2. Branchenspezifische Besonderheiten

In verschiedenen Berufs- und Brachenbereichen haben sich gewisse Besonderheiten bzgl. der Unternehmensbewertung entwickelt. Diese entsprechen nicht oder nur teilweise den allgemeinen Grundsätzen.[64] Im Folgenden werden zwei Branchen mit ihren jeweiligen Besonderheiten betrachtet.

Eine besondere Berufssparte, im Bezug auf die Unternehmensbewertung, ergeben die freien Berufe. Der Wert einer freiberuflichen Praxis bzw. eines freiberuflichen Unternehmens wird überwiegend noch durch Addition des Substanzwertes ermittelt. Dabei setzt sich der Wert aus den einzelnen Vermögensgegenständen und dem ideellen Wert, dem sog. Goodwill, zusammen.

Aufgrund des Images der Praxisinhaber, des Standorts, der Verweildauer der Klienten bzw. Kunden und ähnlichen Faktoren, überschreitet dieser ideelle Praxiswert den eigentlichen Vermögensgegenstand um ein Vielfaches.[65] Diese stark ausgeprägte Tatsache in den freien Berufen muss bei der Bemessung der Bewertung berücksichtigt werden.

Als weiteres Beispiel dienen die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Ermittlung des Unternehmenswertes kann, z.B. anhand der Ertragswertmethode, ermittelt werden. Als Besonderheit vieler landwirtschaftlicher Betriebe sind Grund- und Boden notwendige Voraussetzung für die Ertragserzielung. Aus diesem Grund wird bei der Bewertung nicht auf den Betrieb als Ganzes eingegangen, sondern lediglich auf den Grund- und Boden mit den entsprechenden Ertragszahlen.[66] Somit ist dem Standort, naturgemäß in der Bewertung von landwirtschaftlichen Objekten, eine besondere Gewichtung beizumessen. Dies belegen auch deutliche regionale Bewertungsunterschiede.[67]

[...]



[1] Vgl. Peemöller (2002), S. 50.

[2] Vgl. Hinterhuber (2002), S. 2.

[3] Vgl. Peemöller (2002), S. 3.

[4] Vgl. Born (1995), S. 21.

[5] Vgl. Born (1995), S. 21.

[6] Vgl. Beck Lexikon der Betriebswirtschaft (2005).

[7] Vgl. Born (1995), S. 23.

[8] Vgl. Piltz (1994), S. 9.

[9] Vgl. Peemöller (2002), S. 9.

[10] Vgl. Born (1995), S. 38.

[11] Vgl. Piltz (1994), S. 12.

[12] Vgl. Peemöller (2002), S. 5.

[13] Vgl. Peemöller (2002), S. 5.

[14] Vgl. IDW Standard 1, Stand: 28.06.2000.

[15] Vgl. Schultze (2001), S. 7.

[16] Vgl. Peemöller (2002), S. 7.

[17] Vgl. Schultze (2001), S. 7.

[18] Vgl. Piltz (1994), S. 12.

[19] Vgl. Peemöller (2002), S. 7.

[20] Vgl. Schultze (2001), S. 7.

[21] Vgl. Piltz (1994), S. 13.

[22] Vgl. Peemöller (2002), S. 8.

[23] Vgl. Peemöller (2002), S. 9.

[24] Vgl. Born (1995), S. 44.

[25] Vgl. Peemöller (2002), S. 10.

[26] Vgl. Peemöller (2002), S. 10ff.

[27] Vgl. Piltz (1994), S. 14.

[28] Vgl. Born (1995), S. 45.

[29] Vgl. Peemöller (2002), S. 12.

[30] Vgl. Peemöller (2002), S. 13.

[31] Vgl. Born (1995), S. 45.

[32] Vgl. Born (1995), S. 45.

[33] Vgl. Schultze (2001), S. 5.

[34] Vgl. Drukarczyk (2003), S. 122.

[35] Vgl. Schultze (2001), S. 5.

[36] Vgl. Hinterhuber (2002), S. 22.

[37] Vgl. Born (1995), S. 17.

[38] Vgl. Born (1995), S. 17.

[39] Vgl. Peemöller (2001), S. 29.

[40] Vgl. Moxter (1983), S. 5 ff.

[41] Vgl. IDW S1 Stand: 18.10.2005; Peemöller (2001), S. 30.

[42] Vgl. Peemöller (2001), S. 30; Barthel (2002), S. 44.

[43] Vgl. Matschke/Brösel (2005), S. 642.

[44] Vgl. Peemöller (2001), S. 31.

[45] Vgl. Matschke/Brösel (2005), S. 642.

[46] Vgl. Peemöller (2001), S. 41; Barthel (2002), S. 49.

[47] Vgl. IDW S1 Stand: 18.10.2005.

[48] Vgl. Peemöller (2005), S. 42 (2005); IDW S1 Stand: 18.10.2005.

[49] Vgl. Busse von Colbe (1992), S. 51; Sieben/Schildbach (1977), S. 455.

[50] Vgl. Schmidt (1996), S. 10.

[51] Vgl. Münstermann (1966), S. 21.

[52] Vgl. Mandl/Rabel (1997), S. 72-78.

[53] Vgl. Schmidt (1997), S. 12.

[54] Vgl. Münstermann (1966), S. 18.

[55] Vgl. Beatge (2005), S. 103.

[56] Vgl. Behringer (2002), S. 10.

[57] Vgl. Beatge (2005), S. 104.

[58] Vgl. Seiler (2004), S. 35.

[59] Vgl. IDW Standard 1, Stand: 18.10.2005.

[60] Vgl. Piltz (1994), S. 50.

[61] Vgl. Beatge (2005), S. 44.

[62] Vgl. Beatge (2005), S. 48.

[63] Vgl. IDW Standard 1, Stand: 18.10.2005.

[64] Vgl. Piltz (1994), S. 54.

[65] Vgl. Piltz (1994), S. 55.

[66] Vgl. Piltz (1994), S. 59.

[67] Vgl. Piltz (1994), S. 59.

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